Tipps zum Digitalisieren von Fotos – mit dem Smartphone

Smartphone-vs.-Kamera

Kann man Papierabzüge von Fotos auch mit dem Smartphone digitalisieren? Man kann. Die heutigen Kameras sind heute oft schon von erstaunlicher Qualität –  und tatsächlich das allereinfachste ist es, die Fotos mit dem Handy abzufotografieren.

Wenn man dann noch eine (einfache) Bildbearbeitungssoftware nutzt (z.B. Gimp oder – noch einfacher – IrfanView), um den Bildausschnitt anzupassen, muss man auch nicht allzu exakt sein beim Fokussieren. Ich habe mal dieselben sechs alten Papierabzüge (aufgenommen mit einer Kompaktkamera in den 80ern, von der ich noch nicht mal mehr die Marke, geschweige denn das Modell weiß) mit verschiedenen Apps und Kameras aufgenommen. In der zweiten Spalte von rechts sehr Ihr die Aufnahmen mit der Handykamera. Sie sind in der Größe akzeptabel, in der Detailtiefe ausreichend und in der Farbwiedergabe recht passabel.

Hier sieht man den verbliebenen Lichtreflex von der Aufnahme. Und die Bildmitte ist in Originalgröße sehr pixelig.

Ganz links habe ich die PhotoScan-App von Google ausprobiert – und ich war vom Handling wie vom Ergebnis recht enttäuscht. Die App arbeitet immer mit dem handyeigenen Blitz und muss deshalb – um Reflexionen zu vermeiden – fünf Bilder machen: Eins zentral und vier in jeder Ecke. Wenn man sich etwas an den Ablauf gewöhnt hat, funktioniert das zwar ganz flüssig (dauert aber natürlich immer noch länger als nur einmal Abdrücken) und das Ergebnis hat mich nicht überzeugt, es waren manchmal trotzdem noch die Lichtreflexe zu sehen und manche Bilder waren sehr pixelig. Die finale Dateigröße liegt bei 2000 px Breite. Das ist zwar nicht nichts, aber auch nicht für Großaufnahmen geeignet. Wenn man in den Printabzug hineinzoomen möchte, hat die App oft Probleme mit der Wiedergabe der Farben. Dann muss der Bildausschnitt mit der (möglichst hellen) Fläche darunter gewählt werden, was natürlich zulasten der Detailtiefe geht. Insgesamt hat es mich nicht überzeugt.

Die zweite Spalte von links zeigt Fotos mit der App Quisquee Photo Scan and Editor, und zwar im Scan-Modus (es steht auch der Fotomodus zur Wahl, aber dort sind die anschließenden Bearbeitungsmöglichkeiten etwas verwirrend). Die Benutzerführung und der Arbeitsablauf sind etwas intuitiver als bei der Google-App und es wird auch nur eine Aufnahme gemacht. Allerdings war dabei die enorme Verzögerung zwischen Auslösung und Festhalten des Motivs störend, ich hatte öfter das Gefühl, verwackelt zu haben. Dies liegt aber daran, dass die App die Aufnahmen zunächst sehr weichzeichnet und anschließend im “Enhance”-Modus wieder schärfer zu zeichnen (was meiner Meinung nach zu Lasten der Bildqualität geht). Die finalen Bilder haben nur eine Auflösung von 1000 px Breite, was definitiv zu wenig ist für eine flexible weitere Bearbeitung. Deshalb konnte auch diese App mich leider nicht überzeugen.

Fazit: Wenn Ihr keine Digitalkamera zum Abfotografieren zur Hand habt (Vergleichsfotos in der ganz rechten Spalte), ist man mit der handyeigenen Kamera und einer einfachen Bildbearbeitungssoftware gut bedient. Spezielle Apps führen nicht zwangsläufig zu einem besseren Ergebnis.

Google PhotoScan

Quisquee Photo Scan and Editor

Integrierte Handykamera

Fotokamera (Nikon 5200d)

Tipps fürs Digitalisieren von Fotos – Lass die Fotos Geschichten erzählen

Altes-Foto

Fotos erzählen Geschichte(n) – und das nicht nur durch das Motiv und dessen Umgebung, sondern auch der physische Gegenstand an sich. Ob schwarzweiß oder Farbe, ob mit Rahmen oder ohne, mit Knicken, Gebrauchsspuren und vielleicht handschriftlichen Notizen auf der Rückseite – all das erzählt etwas über die Vergangenheit.

Natürlich kann man mit der Wahl des Bildausschnitts und intensiver digitaler Nachbearbeitung alles daransetzen, die Spuren der Vergangenheit möglichst effektiv zu beseitigen. (Sehr ausführlich beschreibt dieser Spiegel-Artikel die Ursachen und möglichen „Behandlungsmethoden“.)

Doch (nicht nur) die Historikerin in mir plädiert dafür, –
gerade wenn es um Bilder der eigenen Biografie geht – den Charme der Vergangenheit nicht völlig auszuradieren. Bei Printabzügen
aus den 70ern darf man ruhig nicht nur an Schlaghosen und Riesenkragen die
Provenienz erkennen, sondern auch daran, dass Grün und Blau oft ausgeblichen
sind. Alten Familienbildern aus den 30er und 40er Jahren darf man ihren
typischen Rahmen lassen. Und mancher Riss oder fehlende Ecke zeugt davon, dass
das Bild oft hervorgeholt, betrachtet und – ja, geliebt wurde.

Gegen eine sanfte Bearbeitung, wenn z.B. ein Knick direkt
durchs Gesicht geht, ist nichts einzuwenden, denn so erhöht man den
Informationsgehalt. Aber Spuren der Vergangenheit erkennbar zu lassen, erhöht die Authentizität der Aufnahmen und
damit den Erinnerungswert
. Es kann sich sogar lohnen, Beschriftungen auf
der Rückseite ebenfalls zu digitalisieren – nicht nur wegen der Informationen, sondern
weil sie die typische Handschrift des Schreibers wiedergeben und so an eine
weitere Person erinnern (vielleicht sogar an die, die gar nicht auf dem Foto zu
sehen ist, weil sie hinter der Kamera stand).

Tipps zum Digitalisieren von Fotos – mit der Fotokamera

Fotos-einfach-abfotografieren

Für das Digitalisieren von Fotos mit der Fotokamera braucht man prinzipiell erstmal nicht mehr als einen Tisch (ohne direktes Sonnenlicht) und eine Digitalkamera.
Dabei ist es nicht wichtig, ob es sich um eine Systemkamera oder um eine Kamera mit Wechselobjektiven handelt. Mit beiden kann man in ausreichend guter Qualität Bilder abfotografieren. Entscheidender sind das Licht, die Brennweite und die sonstigen Einstellungen.

  1. Das Licht
    Um eine gleichmäßige Ausleuchtung zu gewährleisten und keine Reflexe auf Hochglanzaufnahmen zu reproduzieren, sollte entweder ein bedeckter Tag oder ein Platz weiter entfernt vom Fenster zum Fotografieren gewählt werden. Fällt das Licht zu hell nur von einer Seite, kann es schon helfen, einen großen weißen Karton auf die andere Seite der Fotos zu stellen, der das Licht reflektiert und so einseitige Schatten minimiert. (Anschaulich wird das z.B. im Pixelz-Blog erklärt.)
  2. Die Brennweite
    Für die Aufnahmen empfiehlt es sich, nicht mit einem extremen Weitwinkel zu arbeiten, da dieser zu den Rändern zu sehr verzerrt. Eine Brennweite um die 50 ist ideal.
  3. Die sonstigen Einstellungen
    Die gewählte Blende spielt für diese Aufnahmen fast keine Rolle, alles zwischen 5 bis 11 sollte passen, bei Freihandaufnahmen empfiehlt sich die größere Blende, um kürzere Belichtungszeiten zu erreichen und Verwackler zu minimieren. In den meisten Fällen wird auch der Automatikmodus hier durchaus akzeptable Ergebnisse liefern.
    Vor allem, wenn man die digitalisierten Fotos nicht unbestimmt archivieren, sondern anschließend weiter verarbeiten will, empfiehlt es sich, das Bildformat auf L zu stellen oder sogar im RAW-Format zu fotografieren. Diese Auflösung stellt sicher, dass man auch mit Ausschnitten und Vergrößerungen gut arbeiten kann.

Wenn viele Fotos zu bearbeiten sind, können ein Stativ mit Galgen und ein Fernauslöser (entweder übers Smartphone oder mit Kabel) die Arbeit erleichtern. Ist die Anzahl aber überschaubar, kann man auch einfach aus der Hand abfotografieren.

Und dann kann es losgehen.:-)

  1. Freihand
    Das Foto sollte den Sucher bzw. das Display voll ausfüllen, besonders die Ränder sollte man bei jeder Aufnahme in den Blick nehmen, um möglichst gerade Kanten zu fotografieren. Hat das Bild einen weißen Rahmen, sollte dieser vollständig aufgenommen, um später frei beschneiden zu können. Bei Abzügen ohne Rahmen spart es spätere Bearbeitungszeit, wenn man schon bei der Aufnahme sicherstellt, dass nichts vom Untergrund aufgenommen wird. Oft bekommt es Fotos auch sehr gut, wenn man schon in diesem Moment das Hauptmotiv in den Fokus rückt und die (nichtssagende) Umgebung weglässt.
  2. Mit Stativ und Galgen
    Hat man die Möglichkeit, die Kamera mithilfe von Stativ und Galgen senkrecht über der Tischplatte zu positionieren, empfiehlt es sich, die passende Position für Fotos oder Albums z.B. mit Klebeband auf dem Tisch zu markieren, damit man nicht immer wieder alles neu ausrichten muss. Der Fotograf Stephan Wiesner hat dazu ein sehr anschauliches Video gemacht.

Gemäß meinen Empfehlungen zur Bildauswahl rate ich dazu, lieber einzelne Fotos und nicht komplette Albumsseiten zu fotografieren. Was man vielleicht bei der Fotografie an Zeit einspart, muss man später bei der Bildbearbeitung zusätzlich investieren, und die Auflösung des einzelnen Bilds ist bei kompletten Seiten zwangsläufig niedriger.
Ob man die Fotos dabei lieber im Album belässt oder daraus entnimmt, hängt individuell von den Gegebenheiten ab, vom Zustand der Bilder, der Anzahl der Aufnahmen und nicht zuletzt davon, ob die Fotos eingeklebt, eingesteckt oder festgetackert sind.

Tipps zum Digitalisieren von Fotos – Grundsätzliches

Altes-Fotoalbum

Bei den Aufträgen für meine Kunden kommt sehr oft der Moment, in dem die alten Fotoalben oder Karton mit losen Fotos hervorgeholt und durchstöbert werden. Ein neues Fotobuch ist ein wunderbarer Anlass, alte Aufnahmen zu digitalisieren und in einen neuen Kontext zu setzen.

Angebote und Möglichkeiten zum Digitalisieren gibt es unzählige: Man kann zum örtlichen Fotogeschäft gehen, einen Onlineanbieter beauftragen, die Fotos selbst im Flachbettscanner einscannen oder abfotografieren – mit der Kamera oder mit dem Smartphone.

Ich stelle hier Vor- und Nachteile der einzelnen Möglichkeiten vor sowie ein paar grundsätzliche Überlegungen, die man – egal, welche Technik man wählt – zuvor anstellen sollte. Dabei beziehen sich meine Erfahrungen ausschließlich auf die Arbeit mit Printabzügen. Mit dem Scannen von Negativen oder Dias habe ich keine Erfahrungen, da ich auch nicht die entsprechende Ausrüstung habe. Da kann ich nur den Gang zum Profi empfehlen.

1. Grundsätzliche Überlegungen

Nimmt man sich das Projekt “Fotodigitalisierung” vor, ist man häufig zunächst erschlagen von der Fülle der Fotos und dem spontanen Gedanken “ach, das mache ich, wenn ich in Rente bin”. Und das erneute Beiseitepacken der Alben ist in diesem Moment auch völlig in Ordnung. 🙂

Denn zunächst sollte man sich Gedanken machen, welchen Zweck man eigentlich mit der Digitalisierung erreichen möchte. Sollen die Familienmitglieder und deren “Werdegang” thematisiert werden oder lieber die Feste, die gemeinsam gefeiert wurden? Waren Urlaube immer das Lebenselixir für die Familie? War der Vater besonders stolz auf sein Auto? Sollen die eigenen Kinder mal die Familiengeschichte nachvollziehen können? Hier ist es sinnvoll, verschiedene Stichworte festzulegen, nach denen man die Fotos durchforsten und sortieren möchte. (Welche Stichworte das sind, ist individuell verschieden und hängt stark davon ab, welcher individuelle Wert welchen Fotos zugesprochen wird.)

Und ja, jetzt kommt die Mammutarbeit: Alle Fotos einmal durchsehen und mit den entsprechenden Stichworten kennzeichnen. Ja, das ist vermutlich nicht in ein paar Stunden erledigt. ABER: Die investierten Stunden sind sehr wertvoll. Sie nehmen uns mit auf eine Reise in die Vergangenheit und wecken sehr oft schöne Erinnerungen. Also: Diese Arbeit nicht als lästiges „ich sollte mal“, sondern als freudiges „ich darf nochmal“ angehen.:-)

Mit der Kategorisierung erfolgt zugleich die Entscheidung, welche Fotos digitalisiert werden sollen. (Und dies hat dann direkte Auswirkungen auf den späteren – häufig gar nicht mehr so hohen Arbeitsaufwand.)
Faustregel: Je älter Fotos sind, desto eher empfiehlt es sich, die Auswahl auf die schönste oder typischste Aufnahme einer Situation zu beschränken. Denn mit immer größerem Abstand sinkt die emotionale Bindung und Bedeutung einer Aufnahme und es besteht eher die Gefahr, zu wiederholen und zu langweilen. Deshalb sollte man durchaus Mut zur Lücke haben und nur die schönsten Aufnahmen auswählen oder die Schnappschüsse, die symbolisch für ein Ereignis stehen. Fotos, die zu gar keinem vorher als relevant identifizierten Thema passen, fallen raus. (Es sei denn, es stellt sich beim Betrachten heraus, dass das Motiv einem doch etwas zu sagen hat. Dann gibt es vielleicht noch ein neues Stichwort.:-)

Im Umkehrschluss gilt: Je aktueller ein Ereignis ist, desto mehr Fotos kann man zunächst aufbewahren – vielleicht braucht man gerade diesen Schnappschuss auch nochmal, z.B. für eine Würdigung zum 60. Geburtstag oder für eine Hochzeit.

Ist diese Arbeit erledigt, beginnt die eigentliche Digitalisierung. Und die Vor- und Nachteile der einzelnen Möglichkeiten stelle ich in einem der nächsten Beiträge vor.