Arbeitskleidung?!

Lesedauer: 2 Minuten

Ernsthaft? Ist es nicht völlig egal, was Fotograf*innen anhaben, sie stehen doch eh hinter der Kamera?!

Tatsächlich mag die Kleidung in vielen Aufnahmesituationen keinen großen Unterschied machen, aber in manchen eben schon – und dann ist es gut, darauf vorbereitet zu sein. Denn Kleidung erfüllt vor allem drei Funktionen: Sie soll vor der Umwelt (z.B. Kälte, Sonne, Kinderbrei am falschen Ort) schützen, die Träger*innen gut aussehen lassen und der Außenwelt etwas über die Person verraten (Geschlecht, Beruf, Lebenseinstellung).

Wenn ich zum ersten Mal einen neuen Kunden treffe, um mit ihm seine Wünsche und Erwartungen zu besprechen, geht es zunächst vor allem um meine Rolle und Fähigkeiten als Dienstleister. Ich möchte direkt das Vertrauen den Kunden in meine Fähigkeiten gewinnen, denn schließlich geht es bei der Fotografie eines kompletten Hauses auch um sehr persönliche Bereiche des eigenen Lebens.
Und da ich bei der kompetenten Stilpsychologin Stefanie Sauer-Bloch gelernt habe, dass besonders hohe Farbkontraste in der Kleidung (man denke nur an den protestantischen Talar oder den klassischen Büroanzug) Kompetenz vermitteln, achte ich bei meiner Kleidung darauf, mein professionelles Erscheinen damit dezent zu unterstützen.

Anforderungen beim Shooting

Zugleich folgt auf den Kennenlern- und Beratungsteil auch häufig direkt das eigentliche Fotoshooting, um achtsam mit den gemeinsamen Zeitressourcen umzugehen.

Ein besonderer Reiz in meinen Bildbänden über Häusern besteht in ungewohnten Bildperspektiven. Gerade im eigenen Haus benutzt man meist nur wenige, immer gleiche Wege und hat dementsprechend nur ausgewählte Ansichten im Kopf. Mit der Kamera erfasse ich nicht nur systematisch die Räume aus allen Ecken (auch denen, in die man eher selten bis gar nicht geht), sondern suche auch besondere Details und ungewöhnliche Perspektiven. Dabei begebe ich mich auch regelmäßig auf die Knie.
Und so komme ich zum nächsten Punkt meiner Arbeitskleidung: eine robuste Hose, die auch mal feuchtes Gras oder eine staubige Zimmerecke verzeiht. Und auch die Schuhe sollten verschiedenste Körperhaltungen mitmachen und stoßfeste Kappen haben. Ich habe mir schon mal ein Paar Kunstlederschuhe bei ausgiebigen Arbeiten auf rauem Teppichboden ruiniert.

Schließlich kommt es beim Dokumentieren der Einrichtung immer mal wieder vor, dass Bilder hinter Glas hängen oder Möbelstücke extrem polierte Oberflächen haben. Um mir hier die (Nach)Bearbeitung zu erleichtern und mein Spiegelbild möglichst unsichtbar zu machen, ziehe ich deshalb beim Häuser-Fotografieren immer ein dunkles Oberteil an – meist sogar mit einem dunklen Schal, um den hellen Hals zu verstecken. Wenn ich also zuvor im Kundengespräch z.B. noch eine helle Strickjacke über dem dunkelblauen Shirt getragen habe, ziehe ich diese während des Shootings aus.

So erfüllt meine Arbeitskleidung als Erinnerungsretterin vor allem den ersten und letzten Punkt von Kleidung – und ist damit doch wichtiger als im ersten Moment vielleicht gedacht. Und wenn ich dabei noch eine einigermaßen gute Figur mache, ist das das Tüpfelchen auf dem i.:-)

Tag der offenen Tür III

Im letzten Blog Tag der offenen Tür II habe ich zuletzt den roten Faden in meinem Arbeitszimmer gezeigt: Postkarten, Kalenderblätter und sonstige Sprüche, die mir aufhebenswert erschienen.
Da diese Sprüche hinter Glas gerahmt sind, kommt hier eine besondere Herausforderung dazu, auf die ich häufig bei Haus-Fotoshootings stoße: spiegelnde Oberflächen, seien es Kaminfenster, verglaste Bilder oder Hochglanzmöbel. Wer ganz genau hinschaut, erkennt meine Silhouette in beiden Bildern.

Auch wenn es Tricks gibt (seitlich hinstellen, Polarisationsfilter verwenden oder dunkle Kleidung tragen), lässt sich die Spiegelung nicht immer ganz vermeiden. Ich habe auch schon Bilder abgehängt und in einem anderen Raum ohne Fenster fotografiert. Und manchmal kann man auch nachträglich mit der Bildbearbeitung noch was kaschieren.

So, das war der #Einblick in mein Arbeitszimmer und meine Arbeitsweisen. Wer noch mehr wissen oder mich live erleben möchte, wie ich Haus, Wohnung oder Garten ins rechte Licht rücke, kontaktiert mich einfach über Facebook oder per E-Mail.

Ach so… Falls Ihr noch wissen wollt, was es mit dem seltsamen Arrangement auf dem Sofa auf sich hat: Das ist mein portables Mini-Fotostudio für Kleinobjekte, in diesem Fall Illustrationsbilder für die Webseite von Natalie Kitterer, www.loesungsraeume.eu.:-)

Tag der offenen Tür II

Nach dem Fotografieren der Totalen gehe ich systematisch durch den Raum und fotografiere Ensembles und Details.
So gibt es in meinem Arbeitszimmer eine Ecke mit vielen Fotos, Eintrittskarten und anderen Erinnerungsstücken.

Denn es sind die individuellen und einzigartigen Erinnerungsstücke, die die #Persönlichkeit eines Raums oder eines ganzen Hauses ausmachen. Zu manchen erzählen mir die Bewohner dann eine Geschichte, die ebenfalls im Fotobuch festgehalten wird.


Die Marionetten zum Beispiel habe ich während meiner Schulzeit in einer AG mit einer sehr engagierten und begeisterungsfähigen Lehrerin gemacht und anschließend recht anspruchsvolle Stücke wie Faust oder den Sommernachtstraum aufgeführt.

Beim Rundgang durch ein Zimmer versuche ich, wirklich alles zu fotografieren. Denn manchmal ergeben sich erst nach dem zweiten oder dritten Raum Zusammenhänge oder der rote Faden, der jedes Haus seine eigene Geschichte erzählen lässt. Das können zum Beispiel Hobbys, Reisen oder Sammelleidenschaften sein.
Oder – wie bei mir – motivierende Sprüche oder Lebensweisenheiten, wenn’s mal hakt..:-)


Tag der offenen Tür I

#tagderoffenentür #überdieschultergeschaut #wiemachtsiedas #erinnerungsretterin

Das Erinnerungsparadies öffnet virtuell seine Tür und gibt einen kleinen Einblick in seine Arbeitsweise und sein Arbeitszimmer.
Jeden Morgen darf ich durch diese Tür gehen mit vielen inspirierenden und gute-Laune-machenden Wörtern. Mein aktueller Liebling? #Frühlingserwachen.

Wenn ich bei einem Kunden einen Wohnraum fotografiere, mache ich als erstes #Fotos aus allen Ecken (in der Regel sind das vier, aber manchmal haben Architektenhäuser ja auch eine ungewöhnliche #Raumgestaltung…).
Dabei gibt es immer zwei typische Blickwinkel: der erste ist der, der den Bewohnern vertraut ist, zum Beispiel auf dem Weg zur Tür oder zum Fenster und zurück. In meinem Arbeitszimmer sieht das so aus:

Der zweite Blickwinkel ist der, der unbekannt oder zumindest ungewohnt ist, weil man diese Ecke fast nie betritt und sich noch weniger dann umdreht und in den Raum reinschaut. Diese Perspektiven lösen oft einen Überraschungseffekt aus. In meinem Arbeitszimmer sieht das so aus:


Wie es dann mit dem Fotografieren weitergeht, erfahrt Ihr im Beitrag Tag der offenen Tür II.

Warum überhaupt Fotobücher?

Regen

Eigentlich wissen wir es längst – Fotos sind die besten Erinnerungsanker überhaupt. Vom Urlaub, der letzten Familienfeier, den ersten Schritten der Kinder und dem mitreißenden Musikkonzert machen wir selbstverständlich Bilder. Nicht umsonst gibt es den Spruch “Ein Bild sagt mehr als tausend Worte”, und mit modernen Smartphones haben auch spontane Schnappschüsse eine überzeugende Qualität.

60 Prozent aller Sinneseindrücke, die unser Gehirn in jedem wachen Moment verarbeitet, sind visuell (obwohl das Auge nur eins von fünf Sinnesorganen ist).
Kein Wunder, dass wir in Bildern denken. Auch mit Texten, die nur abstrakt und allgemein über Niederschlag und Erziehungsberechtigte schreiben, tun wir uns schwerer, als wenn wir von Regen und Eltern lesen. Denn letzteres erzeugt sofort Bilder im Kopf.

Auch wenn die Gehirnforschung heute weiß, dass Gerüche und Geschmäcker direkter ins Gehirn gelangen (und somit auch starke Auslöser für Erinnerungen sein können, bekannt als Proust- oder Madelaine-Effekt), sind Fotos in Handhabung und Verfügbarkeit Gerüchen und Geschmacksrichtungen weit überlegen (und manchmal ist man ja auch ganz dankbar, nicht jeden Geruch von früher auch direkt in der Nase zu haben).

Diese Vorteile von visuellen Erinnerungsstücken nutzt das Fotobuch und darüber hinaus noch weitere, die mit dem spezifischen Medium Buch zu tun haben.
Denn: Ein Buch, zumal als gebundenes Exemplar, strahlt eine gewisse Wertigkeit aus. Auch wenn Bücher seit den Skriptorien der Mönche und der Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg immer erschwinglicher geworden sind, sind sie nicht so schnellebig wie Zeitschriften.
Der Digitaldruck macht es möglich, selbst Bücher mit einer Auflage von einem Exemplar bezahlbar zu produzieren. Die Haptik und Anmutung eines hochwertigen Mediums ist verbunden mit einer großen Robustheit, die auch häufiges Umblättern ohne größeren Verschleiß ermöglicht. Dabei besteht keine Gefahr, dass die Fotos verknicken, ablösen oder sich – bei zu großzügigem Einsatz von Klebstoff – fleckig verfärben.

Darum also Fotobücher.

Und warum Fotobücher über Häuser?

Erinnerungsstücke

Unsere eigenen vier Wände, auch wenn sie kein Palast oder preisgekrönte Architektur sind, verdienen eine Würdigung und Wertschätzung. Denn über Jahrzehnte waren sie unser Heimathafen und unsere Partylocation, Rückzugsort und Startrampe fürs Leben.

In vergessenen Ecken hängen noch die krakeligen Bilder aus dem Kindergarten, im Regal verstauben die Muscheln vom ersten Urlaub ohne Eltern, und auf dem Gästesofa wartet noch der Teddybär von Tante Gerda. Das alles kann man nicht mitnehmen und aufheben, irgendwann ist jedes Haus voll.
Und so hoch der persönliche und ideelle Wert sein mag – in Tausenden anderen Häusern sitzen ähnliche Kuscheltiere, dokumentieren Kinderbilder die pädagogische Arbeit in Kindergärten vergangener Jahrzehnte. Fürs Museum oder Archiv taugt deshalb das Wenigste.

Aber die Szenen auf einem Foto festzuhalten, das kann man. Ergänzt um die entsprechende Info und in Bezug gesetzt zum in die Jahre gekommenen Jugendzimmer, zum alten Familienschrank, bleibt es ein starker Erinnungsanker. Der Abschied fällt leichter, wenn den Stücken, die mal eine wichtige Bedeutung hatten im Leben, ein visuelles Denkmal gesetzt wird. Sie werden nicht herzlos vom Sockel gestoßen, sondern behalten ihren Platz in der Erinnerung. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Und wenn mit dem Alter vielleicht die Erinnerungslücken größer werden und das Vergangene näher zu sein scheint als das Gegenwärtige, hilft solch ein Buch sogar den Angehörigen oder Pflegekräften. Sie erhalten mehr Informationen über das Gegenüber und können leichter Anknüpfungspunkte für Gespräche finden. So wirkt ein Fotobuch übers eigene Haus noch über Jahre hinaus.

So wird es ein tolles Fotobuch – Der rote Faden

Roter-Faden

Bevor das Erinnerungsparadies bei einem Auftrag mit dem Fotografieren anfängt, gibt es erstmal ein ausführliches Gespräch mit dem Kunden. Dabei finden wir heraus, welches Design der Kunde mag, wer die Hauptadressaten sein werden und was das Ziel des Fotobuchs sein soll.

Okay, das hört sich vielleicht zunächst banal an – das sind doch Erinnerungen, was denn sonst? Ja schon, aber: Tatsächlich ist das Identifizieren eines Kernthemas oder eines roten Fadens fast ein Garant dafür, dass das Fotobuch hinterher auch den Erwartungen entspricht und man es gerne durchblättert. Weil es dann eine (vielleicht sogar ganz neue oder überraschende) Geschichte erzählt: über die Tierliebe der Bewohner, über die Lebensfreude der Familie, über die Hobbys des Vaters oder über das künstlerische Geschick der Mutter. Sich über die Hauptaussage(n) eines Buches im Vorfeld Gedanken zu machen, lohnt sich immer. (Auf Neudeutsch heißt das ganze Storytelling, doch Sagen, Mythen, Märchen und Geschichten erzählen die Menschen schon seit Jahrtausenden.)

Natürlich kann man bei einem Fotobuch über den letzten Urlaub einfach von Tag 1 bis Tag 14 jeden Ausflug chronologisch dokumentieren. Auch dann wird das Fotobuch noch einen Wert für diejenigen besitzen, die beim Urlaub dabei waren und sich mithilfe der Fotos an schöne Tage erinnern .

Pfiffiger aber wird es – und dann ist es auch für Freunde oder Verwandte gleich viel interessanter zum Durchblättern – wenn man sich zuvor überlegt, was den Urlaub hauptsächlich geprägt und so einzigartig gemacht hat. Vielleicht waren es die Begegnungen mit Tieren (im Wildreservat, auf der Frühstücksterrasse, im Meer oder gar in der Duschwanne)? Oder das tolle Essen (wenn man denn entsprechend Foodporn betrieben hat)? Vielleicht waren es die Begegnungen mit Menschen oder die unzähligen Sehenswürdigkeiten?

Mit ein bisschen Nachdenken (und Eintauchen in die schönen Erinnerungen) lassen sich zu jeder Reise solche Themen finden. Vielleicht auch bis zu vier oder fünf, dann kann man entsprechende Kapitel bilden. Die thematische Zusammenfassung der Bilder durchbricht die – oft doch etwas langweilige – chronologische Reihenfolge und auf einmal haben auch unangenehme Erlebnisse eine witzige Seite (wie die Kakerlake beim Thema “Begegnungen mit wilden Tieren”…).

So wird es ein tolles Fotobuch – Bildlayout

Layout

Nicht nur die Farbe und evtl. Hintergrund der Seiten hat große Auswirkungen auf die Wirkung des Fotobuchs, sondern auch die Wahl von Format und Ausschnitt der Bilder. Die Fotobuchsoftware erlaubt hier nahezu alle Formate, vom Panorama bis zum extremen Hochformat.
Standardauflösungen von heutigen Digital- und Handykameras sind heute schon so üppig, dass auch großformatige Fotos meist kein Problem darstellen und selbst Ausschnitte noch in attraktiver Größe abgedruckt werden können.

Dies erlaubt das freie Spiel mit Formen und Ansichten. Und am spannendsten wird es, wenn man mit Wechseln arbeitet: Neben der Totalen einer Blumenwiese einige Blüten in Großaufnahme, über die Alpenlandschaft in Panoramagröße die bestiegenen Gipfelkreuze im Hochformat.

Viele Anbieter ermöglichen mit ihrer Software auch das Zuschneiden von Fotos in ganz beliebige Formen, z.B. in Herzform, als Pfeil oder mit Text. Mit diesen Effekten sollte man es nicht übertreiben, aber wenn man sie an einzelnen Stellen ganz gezielt einsetzt, kann man damit eine tolle Wirkung erzielen.

Ähnliches gilt für die Auswahl von Rahmenarten. Effekte, die die Bilder wie eingeklebt, mit Vintage-Rahmen oder illustrierten Seitenrändern wirken lassen, können den Stil eines Fotobuchs wirkungsvoll unterstützen und betonen. Masken ermöglichen zudem, Bildteile auszublenden, entweder mit sanftem Verlauf, wie gewischt oder mit „zerfetztem“ Rahmen. Und zu guter Letzt kann man oft auch noch mit dem Bildeditor farbige Fotos beispielsweise in Schwarzweiß oder Sepia einfärben.

Für ein stimmiges Gesamtbild lohnt es sich, sich im Vorfeld Gedanken über die Zielgruppe und gewünschte Wirkung (edel, fröhlich, zurückhaltend, knallig…) zu machen und die Effekte anschließend entsprechend bewusst einzusetzen.

Tipps fürs Digitalisieren von Fotos – Lass die Fotos Geschichten erzählen

Altes-Foto

Fotos erzählen Geschichte(n) – und das nicht nur durch das Motiv und dessen Umgebung, sondern auch der physische Gegenstand an sich. Ob schwarzweiß oder Farbe, ob mit Rahmen oder ohne, mit Knicken, Gebrauchsspuren und vielleicht handschriftlichen Notizen auf der Rückseite – all das erzählt etwas über die Vergangenheit.

Natürlich kann man mit der Wahl des Bildausschnitts und intensiver digitaler Nachbearbeitung alles daransetzen, die Spuren der Vergangenheit möglichst effektiv zu beseitigen. (Sehr ausführlich beschreibt dieser Spiegel-Artikel die Ursachen und möglichen „Behandlungsmethoden“.)

Doch (nicht nur) die Historikerin in mir plädiert dafür, – gerade wenn es um Bilder der eigenen Biografie geht – den Charme der Vergangenheit nicht völlig auszuradieren. Bei Printabzügen aus den 70ern darf man ruhig nicht nur an Schlaghosen und Riesenkragen die Provenienz erkennen, sondern auch daran, dass Grün und Blau oft ausgeblichen sind. Alten Familienbildern aus den 30er und 40er Jahren darf man ihren typischen Rahmen lassen. Und mancher Riss oder fehlende Ecke zeugt davon, dass das Bild oft hervorgeholt, betrachtet und – ja, geliebt wurde.

Gegen eine sanfte Bearbeitung, wenn z.B. ein Knick direkt durchs Gesicht geht, ist nichts einzuwenden, denn so erhöht man den Informationsgehalt. Aber Spuren der Vergangenheit erkennbar zu lassen, erhöht die Authentizität der Aufnahmen und damit den Erinnerungswert. Es kann sich sogar lohnen, Beschriftungen auf der Rückseite ebenfalls zu digitalisieren – nicht nur wegen der Informationen, sondern weil sie die typische Handschrift des Schreibers wiedergeben und so an eine weitere Person erinnern (vielleicht sogar an die, die gar nicht auf dem Foto zu sehen ist, weil sie hinter der Kamera stand).

So wird es ein tolles Fotobuch – Die Schrift

Glück

Die Geschichte der Typografie anschaulich erklärt in 5 Minuten gibt es schon von Ben Barrett-Forrest auf Youtube. Deshalb spare ich mir die an dieser Stelle und schreibe lieber über gute Schriftarten und schlechten Schriftarten – für ein Fotobuch.

Auch wenn die meisten Fotobuchprogramme – gemessen an der Gesamtzahl von zehntausenden verfügbaren Schriftarten – „nur“ eine Auswahl von ca. 100 verschiedenen Fonts bieten, kann einen auch dieses Angebot schon überfordern.

Deshalb lohnt es sich (mal wieder), sich im Vorfeld Gedanken über die Zielgruppe und gewünschte Wirkung zu machen, denn jede Schrift repräsentiert eine bestimmte Epoche, Jahrzehnt, Stilrichtung oder ein bekanntes Image. Ganz instinktiv ordnen wir moderne Schriften einem Jahrzehnt zu. Entweder haben wir es schon selbst erlebt oder wer kennen wir es von alten Fotos oder Fernsehbeiträgen, wie Einkaufsartikel, Werbeplakate oder Zeitschriften in den 50er oder 90er Jahren aussahen. Soll das fertige Buch nostalgisch oder modern, sachlich-kühl oder romantisch wirken? Auch dieser Eindruck wird durch die gewählten Schriften entweder unterstützt oder konterkariert.

Man sollte nicht mehr als zwei, drei unterschiedliche Schriften im gesamten Buch verwenden und diese jeweils eindeutigen Funktionen zuordnen: Überschriften, Fließtext (Absatz), Bildunterschriften. Meist kann die Software einen einmal gewählten Stil inkl. Schriftgröße und -farbe speichern, so dass man nicht immer wieder die Texte neu formatieren muss.

Die gewählten Schriften sollten zu einander passen, aber sich auch nicht zu ähnlich sind, so dass für den Leser die Unterschiede sofort offensichtlich sind. Gut kombinierbar sind z.B. eine Handschrift und eine klassische Schrift. Bei der Entscheidung sollte man außerdem darauf achten, ob die Schrift auch die deutschen Besonderheiten wie ä, ö, ü und ß korrekt darstellen kann. Ist dies nicht der Fall, würde ich diese Schrift nicht für längere Texte wählen.

Wenn das Fotobuch auch längere Textpassagen enthalten soll, kann es sinnvoll sein, mit Auszeichnungen oder Hervorhebungen zu arbeiten. Beispielsweise sind in meinen Posts Kernaussagen immer fett gesetzt. Es wäre aber auch möglich, mit farbigen Hervorhebungen, mit kursiv gesetzten Wörtern oder mit S p e r r u n g e n zu arbeiten.

Das alles nützt aber nichts, wenn die Schrift an sich nicht
gut lesbar ist, weil sie beispielsweise sehr verschnörkelt oder sehr eng
gesetzt ist. Möchte man trotzdem auf diese Schrift nicht verzichten, kann man mit folgenden Tricks für bessere Lesbarkeit
arbeiten:

  1. Diese Schriftart nicht für den Absatz, sondern nur für die Überschriften verwenden, die in der Regel kürzer sind und den Leser das Dechiffrieren nicht so ermüdet.
  2. Die Schriftgröße erhöhen für bessere Lesbarkeit.
  3. Den Kontrast zwischen Schrift- und Seitenfarbe erhöhen (maximal Kontrast ist schwarz auf weiß oder umgekehrt).
  4. Auf keinen Fall nur mit Großbuchstaben arbeiten (besteht die Schriftart nur aus Großbuchstaben, tritt Regel 1 in Kraft). Grund: Längere Texte in Großbuchstaben sind für das menschliche Auge viel schwieriger zu erfassen als die gewohnte Groß- und Kleinschreibung, da die meisten Leser den „Wiedererkennungseffekt“ bekannter
    Wörter nutzen und gar nicht die einzelnen Buchstaben, sondern das komplette Wortbild verarbeiten. IN GROSSBUCHSTABEN ERSCHEINT JEDES WORT NUR ALS BLOCK UND IST DEUTLICH SCHWIERIGER ZU ERFASSEN. AUSSERDEM FÜHLT MANCHER LESER SICH VON
    GROSSBUCHSTABEN ANGESCHRIEEN.

Wer tiefer einsteigen möchte in den Einsatz und Wirkung von
Schriften, dem sei dieser Artikel von Thomas Soyer ans Herz gelegt: Typografisch und gestalterisch zwar eine Katastrophe, aber inhaltlich top.